Das Soma der Veden
Eine der faszinierendsten Theorien wurde vom Ethnomykologen R. Gordon Wasson 1968 vorgeschlagen. Die Rig-Veda, hinduistische heilige Texte (~1500 v. Chr.), beschreiben Soma als göttliche Pflanze, die Rausch und Visionen verleiht.
Die Texte beschreiben eine rote Pflanze, ohne Wurzeln, ohne Blätter, ohne Blüten, die in Bergen wächst — eine Beschreibung, die zum Fliegenpilz passt.
Wir haben Soma getrunken, wir sind unsterblich geworden, wir haben das Licht gefunden, wir haben die Götter erkannt. — Rig-Veda, VIII.48.3
Sibirischer Schamanismus
Die Korjaken, Tschuktschen, Kamtschadalen und Ostjaken praktizierten den rituellen Konsum seit mindestens 4.000 Jahren. Die Schamanen trockneten die Pilze und wandelten so Ibotensäure in Muscimol um.
Die Wirkstoffe wurden unverändert im Urin ausgeschieden, sodass die Teilnehmer den Urin des Konsumenten tranken — eine von russischen Entdeckern des 18. Jahrhunderts bezeugte Praxis.
Wikinger und Berserker
Laut einigen Historikern konsumierten die Berserker der Wikinger den Fliegenpilz vor Schlachten. Muscimol soll einen Trancezustand mit Schmerzunempfindlichkeit ausgelöst haben. Diese Theorie (1784) ist jedoch umstritten.
Die Weihnachtsmann-Hypothese
- Die rot-weißen Farben entsprechen dem Pilz
- Schamanen betraten durch das Rauchloch — wie durch den Schornstein
- Rentiere konsumieren auch den Fliegenpilz und zeigen erratisches Verhalten
- Pilze wurden an Bäumen getrocknet — Weihnachtsschmuck
- In Strümpfen am Feuer aufbewahrt
Alice im Wunderland
In Lewis Carrolls Roman (1865) trifft Alice eine Raupe auf einem Pilz. Die Wahrnehmungsverzerrungen (Mikropsie, Makropsie) sind dokumentierte Wirkungen von Muscimol.
Mario Bros und Popkultur
Der Super-Pilz von Nintendo ist direkt vom Fliegenpilz inspiriert. Er erscheint auch bei den Schlümpfen, in Disneys Fantasia und unzähligen weiteren Werken.
Natürliches Insektizid: der Ursprung des Namens
Der Name „Fliegenpilz stammt von einer mittelalterlichen Praxis: Stücke in gesüßte Milch zu legen, um Fliegen zu töten. Albertus Magnus (13. Jahrhundert) erwähnt diese Praxis bereits.